Bachelor-Thesis: User Experience im Kontext von künstlicher Intelligenz

Im Kern meiner Bachelor-Thesis stand die steigende Verbreitung von Artificial Intelligence und deren Auswirkung auf die konzeption digitaler Produkte. Dahinter lag die folgende Überlegung:

Jeder interagiert täglich mit den Menschen in seiner Umgebung. Doch kaum jemand würde sagen, dass er auch mit einem Computer interagiert. Doch woran liegt dass?
Meiner Thesis liegt die Annahme zugrunde, dass heutige Computersysteme nicht ausreichend genug in der Lage sind, die Situation eines Nutzers zu erkennen und sich daran zu orientieren.
Doch wo liegt nun der Unterschied zwischen Mensch und Maschine? Das menschliche Orientierungsvermögen beruht auf drei wesentlichen Teilbereichen:

  1. Orientierung zur Zeit.
  2. Orientierung zum Raum.
  3. Bewusstheit zur eigenen Person (Identität) und ihrer Bezüge (Situationsbewusstsein, Orientierung im sozialen Netzwerk).

Sobald ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, diese drei Dimensionen korrekt wahrzunehmen, liegt dem ein neurologisches Defizit – z.B. ein Schlaganfall – zugrunde.
Während der Begriff „Dreifach orientiert“ in der Medizin und Psychologie schon längst die Grundlage der menschlichen Sicht auf die Welt definiert, sind digitale Systeme noch längst nicht in der Lage, die Welt genauso zu erfassen, wie es für eine natürliche Interaktion wünschenswert ist.
So spielt Zeit und Raum insbesondere im mobilen Marketing, aber auch in einigen wenigen Spezialanwendungen (z.B. App der Deutschen Bahn) eine wesentliche Rolle, die Situation von Menschen wird dabei jedoch bislang nur beschränkt berücksichtigt. Als Beispiel für eine App, welche den Situationaspekt zumindest bedingt versucht anzuwenden könnte dabei allerhöchstens Google Now funktionieren.
1995 hat Mica R. Endsley in ihrem Aufsatz „Toward a Theory of Situation Awareness in Dynamic Systems“ ein Modell eingeführt, welches den Prozess zur Erreichung eines Situationsbewusstsein führt. Dieser Prozess läuft im Wesentlichen linear ab und besteht aus den Bestandteilen

  1. Die Objekte in der Umgebung werden wahrgenommen.
  2. Ihre Bedeutung wird verstanden.
  3. Die Veränderungen in der Umgebung und der zukünftige Zustand der Objekte werden zutreffend für eine ausreichende Zeitspanne vorhergesagt.

Ich habe in meiner Thesis untersucht, inwiefern sich dieses Modell auch auf digitale Systeme übertragen lässt. Wie würde sich eine App verändern, wenn sie auch die Situation kennt, in der sich der Anwender befindet (z.B. Gestresst auf dem Weg zu einem Geschäftstermin oder entspannt auf dem Sofa bei der Urlaubsplanung)?
Weitere spannende Fragen aus meiner Thesis sind:

  • Kann tatsächlich ein Mehrwert generiert werden?
  • Wie kann man die Situation erkennen, in der sich ein Mensch befindet? (Mit Sensoren im Handy (z.B. Beschleunigung) / Smartwatch (z.B. Puls) und anhand von bereits vorhandenen, vom Nutzer eingegebenen Daten (z.B. Terminkalender)
  • Welche möglichen Anwendungsfelder gibt es? (z.B. Werbung, Produktivitätsanwendungen, Content)